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Geschichte u. Entstehung

Caritas-Arbeit ist praktizierte christliche Nächstenliebe und damit Verpflichtung eines jeden Christen und Grundauftrag der Kirche. Ihre Organisation unterlag im Laufe der Jahrhunderte einem geschichtlichen Wandel. Die ältesten Nachrichten über die Armenhilfe und die Krankenfürsorge in der Region Brakel – Höxter – Steinheim - Warburg, dem Gebiet des heutigen Kreises Höxter, finden sich in den Kirchenbüchern der ältesten Pfarrgemeinden, deren Gründungen zum Teil bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Ferner hinterließen wohlhabende Bürger Stiftungen für die Armenhilfe. In den Städten entstanden Bruderschaften für die Hilfe in verschiedensten Notlagen. Besonders die Klöster, die eigene Hospitäler unterhielten, waren wichtige Sozialeinrichtungen.Seit dem 14. Jahrhundert engagierten sich auch die städtischen Gemeinden zunehmend in der Armenfürsorge. Kriege und Epidemien stellten große Herausforderungen dar.

 

Eine Antwort auf die soziale Not des 19. Jahrhunderts war die Gründung von Vincenz- und Elisabethkonferenzen in vielen Pfarrgemeinden der Region. Hilfsbereite Menschen schlossen sich zu Ordensgemeinschaften zusammen. In den größeren Städten wurden Krankenanstalten errichtet, deren Leitung den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul (Vinzentinerinnen), den Salzkottener Franziskanerinnen und den Dernbacher Schwestern übertragen wurde. Durch den Kulturkampf in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden diese Aktivitäten bis auf ein geringes Maß zurückgedrängt.

 

Um auf die Nöte und das Elend der damaligen Zeit eine angemessene Antwort zu geben, gründete Lorenz Werthmann am 9. November 1897 den Deutschen Caritasverband, der 1916 von der deutschen Bischofskonferenz als Wohlfahrtsverband der kath. Kirche in Deutschland anerkannt wurde.

 

Die Paderborner Diözesansynode verfügte im Jahr 1922, die zumeist sporadischen Hilfsaktionen zu koordinieren und die Menschen in den Gemeinden für die Not zu sensibilisieren. In jeder Pfarrei sollte ein Caritasausschuss gebildet werden. Ferner sollte in den mittleren und großen Städten ein „örtlicher Caritasverband mit Sekretariat zur Förderung eines einheitlichen und wirksamen Arbeitens“ eingerichtet werden.

 

Die Pfarrgemeinden in den Dekanaten des damaligen Altkreises Warburg zogen hieraus Konsequenzen und gründeten 1929 dekanatsübergreifend einen Caritas-Verband Warburg. 1974 wird auf Anregung von Pfarrer Dr. Kruse der Kreisverband Warburg als e.V. begründet. Im Dekanat Steinheim gab es seit 1935 einen Caritas-Verband

 

Die Gründung dieses und weitere Verbände fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Während dieser Zeit wurde die Arbeit des Caritas-Verbandes politisch und rechtlich stark eingeengt, obwohl das Reichskonkordat von 1933 sie formal absicherte.

 

Besonders schwer war der Neubeginn nach dem Zusammenbruch am Ende des 2. Weltkrieges. Lawinenartig wuchs die Not an, als Elendszüge von rückkehrenden Menschen Dörfer und Städte durchzogen und als ab Herbst 1945 ein Strom von Flüchtlingen aus dem Osten in die Gemeinde kam. Die Hilfe bestand vor allem in der Austeilung von Lebensmitteln und Kleidung.

 

Nach dem Caritas-Adressbuch von 1947 bestanden Caritas-Verbände auch in Brakel und Höxter. Der Höxteraner Verband wurde 1946 von Dechant Görtz gegründet und seit dem Jahr 1959 – also seit 50 Jahren – als eingetragener Verein geführt. Erster Vorsitzender war Dechant Sander aus Höxter. Dieses Datum ist der Anlaß unseres heutigen Festes.

 

Als Folge der kommunalen Neugliederung entschieden sich im Jahr 1978 die Caritasverbände Warburg und Höxter für einen Zusammenschluss. Der CV Höxter beschloss die Übernahme der Mitglieder und des Vermögens des CV Warburg zum 1.1.1979. Vorsitzender wurde Pfarrer Franz Hillebrand aus Brakel. Ihm stand als Geschäftsführer zur Seite Herr Hubert Schmalenströer, der in dieser Funktion in der Geschäftstelle in Brakel 17 Jahre segensreich wirkte. Ein Ergebnis des Zusammenschlusses war es auch, dass in den Städten Beverungen, Höxter, Steinheim und Warburg Caritas-Sekretariate eingerichtet wurden.

 

Die Entwicklung ab Mitte der 60er Jahre im Bereich der Sozialpolitik, aber auch die gesellschaftspolitischen Veränderungen in diesen Jahren haben bei der kirchlichen Sozialarbeit tiefe Spuren hinterlassen. Die Frauenorden mit ihren caritativen Einrichtungen zogen sich immer her aus den Gemeinden zurück.  Anderseits wurde in vielen kirchlichen Sozialeinrichtungen die Arbeit durch Fachkräfte übernommen, was bisweilen den Blick für die Aufgaben der gemeindlichen Caritas versperrte. Aufgrund dieser Veränderungen wurde es zwingend notwendig, die besondere Bedeutung der Pfarrcaritas wieder bewusst zu machen. Die Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) bildeten einen eigenen Fachverband innerhalb des Deutschen Caritasverbandes und Mitglied in den örtlichen Caritasverbänden. Gerade die ehrenamtlichen Caritas-Gruppen vor Ort bedürfen der ständigen Unterstützung und Motivation. Sowohl das Dekanat Höxter mit seinen Pastoralverbünden und Pfarrgemeinden als auch die verbandliche Caritas sind aufgerufen, hier gemeinsam zu planen und zu handeln. Diesem Ziel soll auch der Sachaussschuss Caritas im Dekanat Höxter dienen, dessen Gründung in Kürze erfolgen wird.

 

Der Caritasverband für den Kreis Höxter hat seit seiner Gründung vor 50 Jahren in seinen vielen Diensten segensreiche Arbeit für Menschen aller Altersstufen geleistet. Viele neue Aufgaben wurden übernommen, Ideen verwirklicht, Initiativen und Innovationen gefördert. Aber manche Dienste mussten auch wieder abgegeben werden. In seinem Dienst am Nächsten bildet der Caritasverband im Kreis Höxter heute einen wichtigen Teil der sozialen Versorgungsstruktur. Er ergänzt die Arbeit der öffentlichen Sozialeinrichtungen und übernimmt darüber hinaus delegierte Aufgaben des Kreises.

 

Um im Bereich der psychosozialen Versorgung ausreichende und neue Bedingungen zu schaffen, wurde im Jahr 1973 das Beratungszentrum gegründet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus fünf beratenden Diensten stehen den Ratsuchenden unter einem Dach zur Verfügung. Durch die Kooperation mit 10 Familienzentren im Kreis Höxter haben sich in den letzen Jahren neue Aufgaben für das Beratungszentrum ergeben. In der Trägerschaft des Caritasverbandes befindet sich auch der ebenfalls im Jahr 1973 eröffnete heilpädagogische Kindergarten St. Raphael in Erkeln. 1979 übernahm der Verband von der Stadt Brakel die Trägerschaft der seit 1953 bestehenden Tageseineinrichtung für Kinder in Erkeln. Als kombinierter Kindergarten arbeiten beide Einrichtungen aufs engste zusammen und setzten in ihrer praktischen Arbeit seit vielen Jahren den integrativen Gedanken erfolgreich um. Neue Aufgaben hat der Caritas-Verband ferner im Migrationsdienst und durch die Übernahme des Betreuungsangebotes der offenen Ganztagsschulen in Brakel, Peckelsheim und Willebadessen übernommen.

 

Dieser geschichtliche Rückblick macht deutlich, wie sehr unsere Arbeit im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte von Veränderungen und immer neuen sozialen Herausforderungen bestimmt gewesen ist und es auch künftig sein wird. Dabei wird es auch künftig gelten, stets neu Menschen in den Blick zu nehmen.

 

Pfarrer Wolfgang Fabian